Vorstellung des Vereins

Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft 1678 e.V. Winnekendonk ist der älteste und traditionsreichste Verein der Ortschaft Winnekendonk.
 
Die Schützenbruderschaft wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg gegründet. Diese Zeit zählte zu den Blütenzeiten des Schützenwesens. Über die zeit schrieb Dr. Peter Louis, Generalpräses des Bundes der Deutschen Bruderschaften: „ … Aus den Gründerzeiten können wir ersehen, dass die Bruderschaften immer dann gegründet wurden, wenn schwere Zeitaufgaben zu erfüllen waren: Als die pest über Europa hinzog und der ,Schwarze Tod’ zehntausende Menschen hinraffte, da setzten sich Männer zusammen, die das Wort Bruder als das vollkommenste Verhältnis zum Menschen, gewissermaßen aus dem Herzen des Erlösers nahmen, um in tiefer, echter Brüderlichkeit die kranken zu pflegen, die Toten zu begraben, die Hinterbliebenen zu unterstützen und die verödeten Dörfer wieder aufzubauen …“
 
Durch den aufkommenden Wohlstand der Fürsten, die das Land regierten und die von ihnen eingesetzten Söldner, mussten die Dörfer und Städte geschützt werden. Dieses übernahmen die Schützenbruderschaften. Die Bezeichnung Schützenbruderschaft leitet sich also in erster Linie von Schützen und Beschützen ab und hat erst in zweiter Linie etwas mit Schießen zu tun. Um aber im Notfall die Waffen gut führen zu können, musste geübt werden. Dieses tat man damals beim “Freischießen“ und es war der Höhepunkt des Jahres. Daraus entwickelte sich schließlich das Königsschießen.
 
In den vergangenen Jahrhunderten trafen sich Schützen nach Kriegswirren, Verbotsanordnungen usw. immer wieder, um die Bruderschaften neu aufleben zu lassen. Für Winnekendonk bedeutet dies beim letzten Krieg folgendes:
 
Nachdem Adolf Hitler die Macht übernommen hatte wurde das Leben der Bruderschaften immer mehr und mehr lahmgelegt. 1936 kam es durch das Wirken der Gestapo ganz zum Stillstand. Wer sich mit den NS- Verbänden nicht gleichschalten ließ, wurde eben verboten. So geschah es auch mit dem Winnekendonker Schützenverein, der übrigens bis dahin ein Junggesellen-Schützenverein war. Die verheirateten Schützen gehörten zu den inaktiven Mitgliedern. Aber er ruhte nur. Unter der Asche glühte das Leben weiter. Das zeigte sich nach Ende des furchtbaren Krieges. Zunächst aber kam auch über Winnekendonk das Grauen des Krieges mit seinen Bomben und Granaten. In jener unseligen Nacht des 28. Februar 1945, in der die Kirche, die Schule und fast ganz Winnekendonk in Schutt und Asche gelegt wurden, ging auch das Vereinslokal „Zum goldenen Apfel“ unter. Mit ihm verlor die Bruderschaft sämtliche Wertsachen. Die Vereinsfahne, drei Schwenkfahnen, das ganze Königssilber, die Schärpen, Rangabzeichen usw. lediglich einige Kassenbücher und das Protokollbuch blieben erhalten. Konrad Mülders, der letzte Schriftführer vor dem Krieg, hatte sie gerettet. Wer aber glaubte, das alte Erbe der Väter sei durch Krieg und Trümmer zunichte gemacht, der hatte sich getäuscht. Schon bald nach dem Zusammenbruch regten sich die Häupter der Schützenbrüder wieder. Am 9. September 1946 trafen sich die alten Brudermeister, Bundesmeister und Präsidenten der Schützenvereine des ganzen Niederrheins in Kevelaer zu einer Delegiertentagung.
 
Am Sonntag, dem 19. Januar 1947, fand dann die erste Besprechung über die Neugründung der St. Sebastianus Bruderschaft in der Baracke des „Schützenvaters“ Johann Schülter statt. Schützenbruder Peter Mülders eröffnete die Versammlung, die 23 Teilnehmer aufwies, mit dem Spruch „Aus alter Wurzel neue Kraft“. In dieser Versammlung wurde ein vorbereitender Ausschuss zur Neugründung der Bruderschaft gebildet. Dazu gehörten die Schützenbrüder: Peter Mülders, Heinrich Hendricks, Theodor Notz, Theodor Ingenpaß und Willi Brünette. In einer weiteren Versammlung im Februar 1947 wurde dann die Neugründung der Bruderschaft vorgenommen. Pfarrer Reiners gab der Bruderschaft den jungen Kaplan Josef Paris als geistlichen Beirat und wünschte ihr den alten, christlichen Bruderschaftsgeist. Mehrere Mitglieder erklärten sich bereit, zur Anschaffung des Königssilbers und der neuen Fahne beizusteuern. Die Bruderschaft wurde nun eine gemischte aus Jung und Altschützen. Sie zählte bei der Neugründung 56 Mitglieder.
 
Zum ersten Vorstand gehörten:
Peter Mülders als Präsident, Willi Brünette 1. Schriftführer, Theo Zumkley 2. Schriftführer, Theodor Ingenpaß 1. Kassierer und Willi Looschelders 2. Kassierer.
 
Es hieß nun, mit allem von neuem beginnen. Da keine Fahne und kein Königssilber mehr vorhanden waren. Man darf hierbei nicht vergessen, dass es eine schwere Zeit war und man ohne Naturalien nichts bekommen konnte. Es war also für die Bruderschaft eine schwere Aufgabe, all dies wieder zu beschaffen. Dank der Spendenfreudigkeit der Mitglieder und den Dorfbewohnern kam die Bruderschaft dennoch bald wieder zu ihrem Königssilber und zu einer Fahne. Alte Geldmünzen aus Silber und andere Münzen wurden gespendet, so das bald 375 Gramm Silber zusammen waren. Daraus goss Johann van Ooyen aus Kevelaer das Königssilber. Es zeigt im Brustschild den hl. Sebastian von einer Krone überragt. Aber auch die alten Majestäten stifteten gerne wieder eine Plakette, auf der sie ihren Namen und das Jahr ihrer Regentschaft eingravieren ließen, um so der Königskette wieder ein nettes Aussehen zu verleihen. Am ersten Sonntag im Mai 1947 schoss man auf der Heide mit der Armbrust zum ersten Mal wieder auf den Vogel. Diese Armbrust existiert heute noch und bestand aus Holzschaft mit Blattfeder vom Auto und einem Drahtseil. Als Munition benutze man Holzteile. Groß war die Freude bei jung und alt als die Schützen wieder zur Heide zogen und dort das Königsvogelschießen abhielten.
 
Erster Schützenkönig nach dem Krieg wurde Heinrich Bongartz zu seiner Königin wählte er Thea Mott vom Haagschenhof. Die Minister waren Theo Bongartz mit Hanna Mott und Heinz Brünette mit Maria Bongartz.
 
Nun wollte sich die Bruderschaft auch wieder eine Fahne anschaffen. Der Major, Josef Maaßen, besorgte das Tuch. Theodor Ingenpaß nähte es zu einer Fahne zusammen. Willi Brünette bemalte diese neue Fahne. Peter Mülders fertigte die Stange an und Willi Görtz stellte die Spitze her. Die Kugel brachte Konrad Mülders vom Hölskeshof (Luyven) mit. Sie soll von einer Fahne stammen, die einmal einer St. Barbara Bruderschaft in Winnekendonk gehört haben soll. So hatten Winnekendonks Schützen endlich wieder eine Schwenkfahne. Sie wurde bei der Kirmes 1947 eingeweiht. Die wiedererwachte St. Sebastianus Bruderschaft errichtete, geleitet vom christlichen Menschenbild in Solidarität zur Heimat und den Lebenden, das erste Festzelt nach dem Krieg zur Winnekendonker Kirmes durch den Arbeitseinsatz und die persönliche Opferbereitschaft der Schützenbrüder. Als Beispiel sei hier der Kirmesdienstag vom 8. Juli 1947 erwähnt. Die Bruderschaft hielt ihren ersten Königsgalaball im Festzelt ab. Das Zelt und die Tanzkapelle mussten mit Naturalien bezahlt und die Spirituosen selbst besorgt werden.
 
Unser Verein lebt jedoch nicht in der Vergangenheit, sondern auf seine Traditionen aufbauend ist sein Wirken in der Gegenwart mit Blick auf die Zukunft wohl da wichtigste. Und so geht die Schützenbruderschaft neue Wege. Hier ist besonders offensichtlich die Verlegung unseres Schützenballes seit 1997 vom Kirmesdienstag auf den Kirmesfreitag. Seither entwickelt sich unser Schützenball zu einer der beliebtesten Veranstaltungen, bei dem wir neben Vertretern aus dem Bezirksverband viele befreundete Schützenvereine und sogar Vertreter aus den Niederlanden begrüßen dürfen. Besonderes Augenmerk richten wir natürlich auf die Jugendarbeit und dürfen hier Stolz auf unseren Nachwuchs sowohl bei den Fahnenschwenkern als auch bei der Schießgruppe blicken.
 
Neben den Festen der Bruderschaft im Kreislauf des Jahres nimmt die Bruderschaft selbstverständlich an den kirchlichen Festen und Gedenktagen teil und trägt durch ihr Mitwirken an dörflichen Veranstaltungen zum gesellschaftlichen Leben des Ortes bei.
 
Großer Einsatz und Idealismus durch viele Jahre von zahlreichen Mitgliedern eingebracht, lässt die Tradition bewahren und sie immer wieder an die nächste Generation weitergeben, so dass man hoffen kann, die Ideale „Glaube, Sitte und Heimat“ für die Zukunft zu sichern.
 
Weitere Informationen werden folgen!